Interview: In 42 Tagen um die Welt

Interview: In 42 Tagen um die Welt

LaBrassBanda sind nach mittlerweile zehn Jahren immer noch die Speerspitze der neuen bayerischen Musik. Diesen Sommer kommen sie endlich nach Kulmbach auf die Plassenburg. Ein Gespräch von Wolfgang Karl mit Gründungsmitglied und Frontmann Stefan Dettl über eine Welttournee, zehn Jahre Bandbestehen und die Frage: Bürojob oder Tourleben?

bayreuth4U: Wie seid ihr im letzten Jahr auf die Idee gekommen, in 60 Tagen um die ganze Welt zu reisen – und überall zu spielen?

Stefan Dettl: Es waren sogar bloß 42 Tage. Die Idee ist eben immer schon ein Lebenstraum gewesen. Wenn man als Musiker etwas bekannter wird und irgendwann in ganz Deutschland spielen darf – das ist schon supercool. Dass man irgendwann auf der ganzen Welt in kleinen Pubs und auf Festivals spielen darf, das ist natürlich das Höchste. Jetzt gibt es aber Länder, aus denen ruft niemand an und fragt: „Hey, wie sieht‘s aus, habt ihr Lust zu spielen?“ Da fliegen wir jetzt einfach hin und schauen uns das vor Ort an.

bayreuth4U: Ohne vorher Auftritte organisiert zu haben? Einfach so?

Dettl: Ja, ein Jahr zuvor haben wir mit der Planung begonnen. Manches war dann schon organisiert. Bei anderen Dingen hat dann der wieder den gekannt, oder man hat uns gesagt, wo wir einfach hingehen können, um zu spielen. Bei drei Terminen haben wir dann noch gar nicht gewusst, wo wir spielen. Da sind wir einfach hingefahren. Das war richtig wie früher: Man ist einfach wo hingefahren, hat sich nicht ausgekannt und einfach geschaut, wo man spielt.

bayreuth4U: War das für dich bisher die coolste Tour, oder war das eher antrengend?

Dettl: Einmal um die Welt zu fliegen in der Zeit, das ist natürlich krass. Vergessen wird das, glaube ich, niemand aus der Band jemals in seinem ganzen Leben. Es war ein Wahnsinnserlebnis. Man kriegt auch mit, wie es Weltstars auf Drei-Jahres-Tournee so haben: Flugzeug, Hotel, Auftritt, Taxi, Flugzeug, Hotel, und so weiter… Ein stressiges Leben. Da haben es wir mit dem Bulldog leichter.

bayreuth4U: Aus bayerischer Perspektive seid ihr ja durchaus Stars: Immerhin wart ihr die ersten, die mit bayerischer Musik auch international sehr bekannt wurden. Habt ihr das bei der Gründung vor gut 10 Jahren so erwartet?

Dettl: Nein, gar nicht. Dadurch, dass wir Musik studiert haben, war für uns klar, dass wir Musik machen werden – und zwar unser ganzes Leben lang. In welcher Besetzung und in welcher Form, da lassen wir uns überraschen. Ob Jazz-Band oder Orchester, Hauptsache Musiker. Dass das mit einer Band dann so hinhaut, dass die Leute das gern mögen, dass man auch zu Festivals woanders in Europa Einladungen bekommt. Das kann man sich so nicht ausmalen. Da haben wir ein Riesen-Glück.

bayreuth4U: Wie viele Konzerte habt ihr denn bisher schon gespielt?

Dettl: In den letzten zehn Jahren? Über tausend auf jeden Fall.

bayreuth4U: Ja. Wenig ist das nicht. Fühlst du dich jetzt tatsächlich zehn Jahre älter – oder sind die zehn Jahre wie im Flug vergangen?

Dettl: Also das Tourleben zehrt schon an einem. Wir habens ganz schön krachen lassen und wir lassen es immer noch krachen. Ich glaube kaum, dass wir das machen werden, bis wir 80 sind.

bayreuth4U: Das haben die Stones auch gesagt…

Dettl: Manchmal hast schon Kreuzweh, aber dann sind die am Ort wieder so nett, dann spielst doch wieder mit der Feuerwehr Fußball und gibst beim Konzert wieder radikal alles, dass du am nächsten Tag einfach nur in den Seilen hängst – aber ja. Das ist ganz normal. Wir möchtens auch gar nicht anders und anders würde unsere Musik gar nicht funktionieren.

bayreuth4U: Ja, ein Bürojob ist es nicht. Aber das ist wahrscheinlich auch gut so.

Dettl: Anders geht es halt auch nicht. Ein LaBrassBanda-Konzert bei dem du hinterher nicht fix und fertig bist – also dann hast du etwas falsch gemacht.

bayreuth4U: Wenn du aus deinen über tausend Konzerten auswählen müsstest: Welcher eurer Auftritte hat dich persönlich am meisten beeindruckt?

Dettl: Das Sziget-Open Air in Budapest. Da durften wir bisher dreimal spielen – und dürfen das auch in diesem Jahr wieder.

bayreuth4U: Und was auf keinen Fall?

Dettl: Nüchterne Konzerte machen nicht so viel Spaß. Bestuhlt, keiner tanzt, in irgendeiner Stadthalle drin, oft gibts kein Bier. Das ist das Gegenteil von einem Bierzelt, oder einem schönen Open Air.

Restkarten für das Konzert auf der Plassenburg gibt es noch unter www.motion-ticket.de, auf eventim.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.