Interview: Musikalische Märchen

Interview: Musikalische Märchen

Mit FAUN ist am 19. Juli eine der erfolgreichsten Bands des Mittelalter- und Folk-Genres zu Gast, die ihre Zuhörer seit 1999 in die Welt der Elben und Götter entführt. Im Interview sprachen sie über ihre Bandgeschichte, das aktuelle Album und die Komplikationen durch den Einzug in den Mainstream.

bayreuth4U: Zu Beginn: Auf Wikipedia steht, ihr hättet euch 1999 gegründet. In einem andern Artikel habe ich etwa von einer gut 20-jährigen Bandgeschichte gelesen und euer neues Album heißt „XV“, das Beste aus 15 Jahren Bandgeschichte. Was stimmt denn nun?

Fiona Frewert: Das mit 15 Jahren stimmt daher, dass wir damals eben unseren ersten Auftritt in der heutigen Besetzung hatten. Vor allem, wenn es um die Anzahl der Leute auf der Bühne geht. Die Jahre vorher sind wir auf verschiedenen Mittelaltermärkten herumgetourt, aber mit stark wechselnden Besetzungen: Mal drei Leute, dann vier.

bayreuth4U: Also seid ihr die Jahre vorher mit Faun schwanger gegangen, um hier ein Bild zu bemühen, und dann kam die Geburt.

Frewert: Genau, das ist quasi die graue Vorzeit. Vor 15 Jahren haben wir dann erst mit dem großen Set angefangen, mit Schlagzeug und Synthesizern. Erst da hat sich eigentlich unser Sound herausgebildet.

bayreuth4U: Du selbst kamst 2002 zur Band?

Frewert: Ich war auch schon die Jahre davor immer wieder dabei und bin mit Olli durch diverse Mittelalterschänken gezogen, mit Flöte und Harfe. Den Olli habe ich 1998 kennengelernt und dann ging das auch schon so los.

bayreuth4U: Für alle, die euch noch nicht kennen: Beschreibe doch bitte mal eure Musik in drei Sätzen. Eine schwierige Übung, ich weiß.

Frewert: Ja, eine schwierige Übung, das stimmt – vor allem, weil man uns nicht in eine Schublade einordnen kann…

bayreuth4U: Klischee-Alarm!

Frewert: Ja, Klischee-Alarm, deswegen haben wir unsere eigene Schublade geschaffen. Wir machen Pagan-Folk. Das drückt aus, dass wir eben viele Folk-
Elemente haben, auch von der Instrumentierung her. Pagan geht auf die natur-mystischen, teils animistischen Inhalte unserer Texte ein. Das Klangbild ist eine Symbiose, die ein Journalist einmal schön als „die Massive Attack des Mittelalters“ bezeichnet hat. Natürlich ein großes Kompliment, das sich eben besonders auf unsere elektronischen Elemente bezieht.

bayreuth4U: Für das neue Album habt ihr ja die meisten Songs neu aufgenommen…

Frewert: Fast alle. Einige der ganz alten haben wir in der Originalfassung belassen, weil die einfach Charme haben. Manche haben wir neu aufgenommen, weil die sich über die Jahre weiter entwickelt haben. Neue Soli, die live entstanden sind, etcetera.

bayreuth4U: Euer Wechsel zu einem Major-Label hat vor einigen Jahren für Kontroversen in der Mittelalter-Szene gesorgt. Wie seht ihr das selbst mit etwas Abstand?

Frewert: Man kann es so begreifen, dass wir mit dem Eintritt in das Major-Label erstmal einen riesigen Schritt in eine andere Richtung gegangen, oder besser: Gegangen worden sind.

bayreuth4U: Welchen Schritt?

Frewert: In eine poppige Richtung. Das ist durchaus auch an den Grenzen unseres persönlichen Geschmacks gewesen. Da wurden auch nicht alle Titel von uns selbst geschrieben auf dem Album…

bayreuth4U: …„Von den Elben“ damals…

Frewert: Genau, „Von den Elben“. Wir mussten uns eben auch mal erst mit denen vom Label eingrooven. Die mussten unseren Sound verstehen und wir mussten lernen, worauf es denen ankommt. Ich glaube seit der Zeit haben wir wieder eine Entwicklung genommen, die uns wieder mehr zu dem Sound führt, den wir wollen. Die Fans waren am Anfang auch schockiert, aber mittlerweile wieder versöhnt.

bayreuth4U: Also der Effekt, von den Entwicklungen ab Eintritt in ein Major Label überrollt zu werden, der existiert nach wie vor?

Frewert: Ja, das hab ich ja bei einigen Bands auch mitbekommen.

bayreuth4U: Du hast viele Songs komponiert oder mitkomponiert: Welches ist dein liebstes Stück?

Frewert: Ich bin sehr stolz auf das Sigurd-Lied – eigentlich auf die ganze akustische CD, das „Buch der Balladen“, da hab ich mich voll reingekniet. „Jahrtausendalt“ ist auch so ein Stück. Ich bin ja immer die Melodien-Jukebox in der Band. Aber eigentlich ist mein Lieblingslied das, an dem ich gerade arbeite.

bayreuth4U: Wie vom nächsten Album. Was wird das denn?

Frewert: Da geht es vor allem um Mythen und Märchen aus unserem Kulturkreis.

bayreuth4U: Da muss ich bei „unserem Kulturkreis“ einhaken: Du hast alt-orientalische Musiktherapie studiert. Wie kam es dazu und was muss man sich denn darunter vorstellen?

Frewert: Ich wollte gerne Musiktherapie studieren. In Mitteleuropa gibt es diese Studienform immer unter dem Aspekt des Interaktiven: Das Mitmachen ist das Heilsame. Doch ich wollte wissen, wo man noch die Musik als das Heilsame begreift. Das hab ich tatsächlich nur bei den Alt-Orientalen gefunden. Dann wollte ich mir das anschauen und fand es sehr spannend: Meine Lehrer waren alle Sufis (mystische Strömung des Islam, Anm. d. Red.). Da war ich dann in Istanbul und einige Seminare fanden in Wien statt.

bayreuth4U: Welches Faun erwartet uns denn auf der Plassenburg: Das akustische Set oder das Festival-Brett?

Frewert: Da geben wir das volle Festival-Set mit Elektronik und vielen Stücken zum Tanzen.

 

Beim Konzert auf der Plassenburg werden FAUN von der Folk-Band Ganaim unterstützt. Tickets für das Konzert gibt’s noch unter www.motion-ticket.de.