19.07.2019 | Jethro Tull by Ian Anderson

Foto: Travis Latam

 

Es war der 2. Februar 1968 im weltberühmten Londoner Marquee Club, als Jethro Tull erstmals unter diesem Namen auftraten. Das Datum markierte den Beginn einer jahrzehntelangen großen Karriere, in deren Verlauf die Gruppe mit über 60 Millionen verkauften Alben weltweit zu einer der erfolgreichsten Bands ihrer Ära wurde. Und das, obgleich sich Jethro Tull mit ihrem breiten musikalischen Spektrum, das Einflüsse aus Folk, Blues und Klassik ebenso umfasst wie Heavy Rock, stets dem Mainstream verweigerte.
Die Musik der Gruppe, deren Mitglieder im Laufe der Jahre vielfach wechselten, wurde dabei maßgeblich von ihrem Frontmann Ian Anderson geprägt, dem mit Recht der Verdienst gebührt, die Querflöte als Hauptinstrument in die Rockmusik einzubringen. Eigenwillig war der heute 71-jährige Schotte und Grammy-Preisträger stets gewesen: Die Einladung, in Woodstock aufzutreten, lehnte er einst ab, da er keine Hippies mochte. Und dass sich die Band nach dem Erfinder der modernen Landwirtschaft benannte, dürfte auch damals bereits einigen Rockfans eigenartig vorgekommen sein. Dennoch zog Jethro Tull wie eine Naturgewalt über die Musikszene hinweg. Bereits das zweite Album der Band erreichte Platz eins der britischen Charts. „Aqualung“ und „Locomotive Breath“, bis heute die bekanntesten Songs der Band, unterstrichen Anfang der Siebziger Jahre ihren Status als eine der innovativsten Rockgruppen. Das Bild des auf einem Bein stehenden Anderson mit der Querflöte an den Lippen wurde zum Markenzeichen der Band.
Bis heute hat Ian Anderson ein entspanntes Verhältnis zu den Klassikern. Während andere Bands sich weigern, bei ihren Konzerten die bekanntesten Hits zu spielen, ist Anderson nach wie vor stolz auf seine Werke. Im Gespräch mit dem SPIEGEL beschrieb er das vor drei Jahren so: „Wir sind die Verwahrer der Kronjuwelen. Von Zeit zu Zeit holen wir sie aus dem Gewölbe, stauben sie ab, polieren ihre Oberflächen und legen sie vorsichtig auf ein Kissen, damit die Öffentlichkeit sie in ihrem ganzen Glanz bewundern kann“. So verspricht das Konzert im Schönen Hof der Plassenburg denn auch einen Querschnitt durch die 50-jährige Schaffensgeschichte der legendären britischen Band.